Dante Troubleshooting

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Hier möchte ich kurz auf einige „common mistakes“, generelle mögliche Probleme und allgemeine Fragen eingehen.

„Schön und gut, aber was ist ein Audioprotokoll?“ 

Valide Frage 😉 (Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen). Audioprotokolle kommen in diversen „Flavors“, z.B. AES50, Dante, AVB, etc. Diese agieren quasi als „Transportmittel“ für die eigentlichen Daten. Die meisten Protokolle „verpacken“ oder konvertieren diese Daten in proprietäre Codecs und sind daher untereinander nicht kompatibel (einige Protokolle können via „Hardware-Wandler“ miteinander kommunizieren – z.B. Dante zu Waves SoundGrid).

„Wie bekomme ich denn jetzt meine Stagebox verbunden?“ 

Die meisten Hersteller haben ihre eigenen proprietären Methoden. Allen & Heath z.B. nutzt S-Link, auf älteren Konsolen ACE / Giga-ACE. Hier wird die Kontrolloberfläche per Cat-Kabel mit der Stagebox verbunden und die Stagebox hat dann eine Dante-Karte verbaut (iLive/dLive) oder das Mischpult (GLD/SQ), sofern das Processing auf eben jenem stattfindet. Bei Yamaha wird die Stagebox i.d.R. direkt via Dante angeschlossen (QL/CL haben nativ Dante an Bord, Rivage PM z.B. nutzt dann wieder Erweiterungskarten im DSP).

„Ich habe die Möglichkeit, Dante in Daisy-Chain oder redundant zu betreiben. Was brauche ich denn jetzt?“ 

ACHTUNG, HOT-TAKE! Das hängt m.M.n. tatsächlich vom verwendeten Netzwerk-Setup ab. Wenn ein nicht redundantes Netzwerk (Switch A zu Switch B) verwendet wird, sehe ich persönlich keinen großartigen Vorteil, Dante redundant zu betreiben. Sollte der Primary Link (aus welchem Grund auch immer) aussteigen, wäre das suboptimal. Steigt uns hier aber ein Uplink am Switch aus, haben wir tatsächlich das größere Problem. Mein Go-To bei nicht redundanten Netzwerken ist Daisy-Chain. Allerdings! *Insert Drumroll for Dramatic Effect* Meine Empfehlung lautet immer, redundante Netzwerke zu nutzen (sofern das budget-technisch möglich ist)!

„Alles klar, redundante Netzwerke, aber wie?“ 

Die einfachste und auch günstigste Variante ist RSTP (Rapid Spanning Tree Protocol) und ein LACP (dynamisches LAG) (bei einigen Switch-Herstellern auch Trunk genannt). Hierbei werden die Switches im „Kreis“ miteinander verbunden, RSTP übernimmt hierbei die Koordination zwischen den Switches. So haben wir zwar physikalisch einen „Loop“ gesteckt, jedoch schaltet einer der Switches seinen Uplink ab und unterbricht eben jenen „Loop“. Dies hat zur Folge, sollte ein Switch ausfallen, können wir den abgeschalteten Uplink (automatisch) wieder aktivieren und die Kommunikation im Netzwerk wiederherstellen. Sollte ein Uplink-Kabel ausfallen, haben wir durch unser LACP eine Redundanz und können den Datenverkehr weiterhin gewährleisten.

„Wie viele Switches kann ich für eine Dante-Topologie nutzen?“ 

Mehr oder weniger „unbegrenzt“. Ab einem gewissen Punkt bekommt man inakzeptable Latenzzeiten (max. 10 ms – Ab dann treten Audio-Dropouts auf bzw. wird gar kein Audio mehr gespielt). Meine Empfehlung lautet hier, nicht mehr als 10 Switches.

„Wie muss ich die Switches untereinander verbinden?“ 

In der Regel ist es egal, ob „im Stern“ oder „Daisy-Chain” – in beiden Fällen liegt das Netzwerk lahm, sollte ein Switch ausfallen. Bei einem Stern ist dies beim „Core-Switch“ der Fall, bei der Daisy-Chain ist nach dem ausgefallenen Switch Schluss. Hier gibt es diverse Möglichkeiten, Redundanz zu schaffen:

  • Stacking/Cluster
  • LAG (LACP wäre hier meine Empfehlung)
  • RSTP für eine „Ring-Topologie“

„Gerät X verschwindet nach Zeit X oder taucht im Dante Controller gar nicht auf.“ 

“That’s a tough one” – Seinfeld | Spaß beiseite, hier wie oben bereits geschrieben:

  • IP vergeben oder bekommen (DHCP?) [Und ich meine nicht die APIPA-Adresse (169.x.x.x) 😉]
  • Dante-Firmware aktuell? (Ja, das kann auch ein Problem sein)
  • Master-Clock oder Slave?
  • Wenn andere Geräte auftauchen, kann ein Switch/IGMP-Problem zu 90 % ausgeschlossen werden
  • LAN-Kabel geprüft? (Manchmal ist die einfachste Lösung auch die beste 😉)
  • “Hello IT, have you tried to turn it off and on again?” – IT Crowd

“Es gibt hin und wieder ein „Knacksen/Rauschen“ im Audio.“ 

Auch hier gilt:

  • Firmware aktuell? (Dante und Gerät)
  • LAN/LWL-Verkabelung (Geschirmtes Cat-Kabel?/LWL-Kabel nicht defekt?)
  • Gerade bei Yamaha (wegen der Hardwareschalter an der RIO)
    • Daisy-Chain oder redundant richtig gesetzt?
  • Switch (IGMP Snooping)
  • Switch-Uplink-Port überlastet
    • Ich nutze gerne Gigabit-Switches mit 10G-Uplink
      • Shameless Publicity: Zyxel XGS2220 😉
  • Ein Indiz für die o.g. Probleme können hohe bis extrem hohe Latenzen im Dante Controller sein
  • Dante-Clock-Einstellungen
    • Master richtig gesetzt?
      • Wenn Slave, dann Clock-Source auf External?
    • Clock wird nach extern exportiert? (Am Master)
  • Sample Rates?
  • Bit Rates?

„Audio kommt verzögert/verzerrt oder gar nicht an (inkl. DVS).“

Das hier ist ein „Mixed Bag“ … Meistens liegt es entweder an der Clock oder es wird Unicast mit zu vielen Endpoints verwendet (siehe Punkt 2 > Dante > Channels und Flows). Andere mögliche Ursachen wären hier:

  • IEEE-Modus am Switch ist aktiv
  • Falls ein USB/Thunderbolt-Adapter verwendet wird (Dante DVS)
    • UNI ist hier sehr breit kompatibel
      • Andere Adapter können schon mal Probleme verursachen
  • Latenz zu niedrig eingestellt (DVS)
  • ASIO falsch konfiguriert (Windows)
  • Sample-Raten passen nicht
  • Bit-Raten passen nicht
  • LAN/LWL-Kabel defekt

„Ich habe alles richtig konfiguriert, aber manchmal „explodieren“ die Latenzzeiten.“ 

Das hier ist ein Phänomen, welches ich selbst bei uns troubleshooten musste. Unser Setup: iLive-T112 mit IDR48 > Dante > Waves SuperRack > Dante > IDR48. Zwischendrin lief dann noch eine Aufnahme via Reaper und DVS. Was mir persönlich hier geholfen hat, war die IDR48 auf Unicast zu stellen. Anscheinend kommt die hier verbaute Brooklyn II-Karte nicht damit klar, mehrere Multicast-Flows von verschiedenen Stationen zeitnah zu verarbeiten (<1-2 msec).

„Gerät ist im Dante Controller nicht sichtbar oder nicht bei Routing sichtbar.“ 

Es kann vorkommen, dass einzelne Geräte in einem Dante-Netzwerk nicht im Dante Controller bei „Device Info“ (Geräteinformationen) angezeigt werden, oder dort nur der Name in roter Schrift zu sehen ist. Manchmal ist zwar das Gerät aufgelistet, im Reiter „Routing“ aber nicht sichtbar. Die häufigste Ursache ist, dass die IP-Adresse des Geräts nicht im selben Bereich liegt oder die Subnetzmaske nicht passt. In diesem Fall muss eine IP-Adresse zugewiesen werden, die im selben Bereich wie die anderen Geräte liegt. Ohne DHCP oder vorkonfigurierte feste IP-Adressen wird einem Dante-Gerät automatisch eine IP-Adresse im Bereich 169.254.. (bzw. 172.31.. im Secondary-Netzwerk) zugewiesen. Wenn der Name des Geräts rot geschrieben ist, hat Dante Controller einen Fehler erkannt, etwa einen Konflikt mit der IP-Adresse. Durch Doppelklick auf den Namen bekommt man weitere Infos.

Weitere Infos zu Dante IP-Adressen:

Außerdem muss die Abtastrate für alle Geräte gleich eingestellt sein (44 kHz, 48 kHz oder 96 kHz). Manchmal hilft es, Dante Controller neu zu starten oder auf einem anderen Rechner im selben Netzwerk auszuführen. Ursache kann auch sein, dass im Netzwerk die Verbindungen nicht richtig gesteckt sind. Eine Stern-Topografie ist zu empfehlen, weitere Infos dazu siehe: https://www.jochenschulz.me/de/blog/dante-netzwerk-switch-topologien

Wenn das Gerät mit passender IP-Adresse bei „Device Info“ angezeigt wird, dann sollte es auch im Reiter „Routing“ zu sehen sein und damit sollte auch das Routen dort möglich sein. Wird es dort nicht angezeigt, könnte es auch daran liegen, dass ein Netzwerkadapter (z.B. an einem Macbook mit DVS) Probleme macht. In diesem Fall empfiehlt es sich, in Dante Controller zu schauen, ob das Gerät Fehler gemeldet hat (bei „Events“) und seinen Status im Netzwerk zu prüfen (Device View, Reiter „Status“). Fehler wie „Clock Sync Warning“, „Clock Sync Unlocked“ und „Audio Mute“ deuten darauf hin, dass der Netzwerkadapter nicht richtig funktioniert.

Hörbares „Knacken“ auf allen Kanälen, alle paar Sekunden 

In Dante-Netzwerken kann es vorkommen, dass im Abstand von einigen Sekunden bis einigen Minuten ein „Knacken“ auf einzelnen oder allen Kanälen zu hören ist.

Die Ursachen können sein:

  • Clock-Einstellungen
  • minderwertige Netzwerkkabel (Schirmung etc.)
  • überlastete Netzwerkkomponenten / große Netzwerke mit mehreren Switches
  • Energiesparmodi (z.B. EEE = Energy Efficient Ethernet) in Switches aktiv
  • Firmware von Dante-Karten nicht kompatibel

Abhilfe:

  • Clock-Einstellungen in Dante Controller prüfen
  • Netzwerkkabel austauschen, gut geschirmte Cat5e-Kabel (oder höherwertige Standards) verwenden
  • Sternförmige Netzwerktopologie mit möglichst wenigen Switches verwenden
  • zu Testzwecken den Datenverkehr im System reduzieren
  • Energiesparmodi in sämtlichen Netzwerkkomponenten immer deaktivieren
  • Firmware-Update durchführen (DVS updaten bzw. Firmware updaten am Gerät, das eine Dante-Schnittstelle hat, zum Beispiel ein Mischpult)
  • Multicast-Flows deaktivieren und alles über Unicast schicken
  • QoS (Quality of Service) Einstellungen anpassen
  • IGMP-Snooping

Als Erstes empfiehlt es sich, in Dante Controller auf die Clock-relevanten Einstellungen zu schauen und die Latenz der einzelnen Geräte zu prüfen. Im Reiter „Clock Status“ (Taktgeberstatus) für ein Gerät mit integrierter Dante-Schnittstelle den Haken bei „Enable Sync To External“ (Externe Synchronisation aktivieren) setzen. Das betrifft Netzwerke, in denen z.B. zwei Mischpulte über Dante miteinander verbunden sind. Am besten beim Hauptmischpult den Haken setzen. Dadurch wird die interne Clock des Mischpults als Taktgeber für das gesamte Dante-Netzwerk genutzt. Es ist sinnvoll, ein Mischpult als „Preferred Leader“ (Bevorzugter Taktgeber) festzulegen. Dadurch gibt das Gerät die Clock für alle anderen Geräte im Dante-Netzwerk vor. Das andere Mischpult sollte sich mit der Dante-Clock synchronisieren und nicht seine eigene interne Clock nutzen. Das ist im Mischpult selbst einzustellen und dafür muss „Sync To External“ bei diesem Mischpult deaktiviert sein.

Autor: David Mössner / Jan Lämmel
Stand: 31.05.2024

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