Wie plane ich eine Videoregie?

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Ein sinnvoll geplant und wohlüberlegter Regieraum ist die halbe Miete, um Gottesdienste und andere Veranstaltungen ansprechend zu übertragen. In diesem Blogbeitrag möchte ich darauf eingehen, wie man die richtigen Fragen stellt, um die Anforderungen für den Regieraum zu ermitteln und die passende Technik auszuwählen. Es geht dabei weniger um konkrete Produkte, sondern vielmehr um die Überlegungen und Planungen, die euch helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Grundlegende Fragen zur Bedarfsanalyse

Welche Art von Veranstaltungen finden bei euch statt?

Denkt darüber nach, welche Art von Veranstaltungen ihr häufig durchführt. Sind es hauptsächlich Gottesdienste, Konzerte und Youthnights oder wird der Raum eventuell unter der Woche auch mal für andere Veranstaltungen genutzt oder sogar vermietet? Jede Veranstaltung hat ihre eigenen technischen Anforderungen und es ist wichtig, diese frühzeitig zu berücksichtigen.

Gibt es spezielle Anforderungen?

Habt ihr besondere Bedürfnisse, wie z.B. Barrierefreiheit, ergonomisches Arbeiten oder die Möglichkeit, Veranstaltungen in mehreren Sprachen zu übertragen? Diese Anforderungen können zusätzliche Technik und spezielle Lösungen erfordern. Falls ihr Sonderfälle habt, empfiehlt es sich immer, diese frühzeitig zu berücksichtigen, da im Bereich Video eine kleine Änderung große Auswirkungen haben kann.

Was ist eure Vision für die nächsten zehn Jahre?

Überlegt euch, wo ihr eure Gemeinde in zehn Jahren seht. Welche technischen Entwicklungen wollt ihr verfolgen? Plant ihr, eure Reichweite durch Livestreaming zu vergrößern oder interaktive Online-Events anzubieten? Eine langfristige Vision hilft euch, Technik auszuwählen, die flexibel und erweiterbar ist und euch auch in Zukunft gute Dienste leisten wird. Legt diese Vision gemeinsam mit dem Leitungskreis fest und definiert gemeinsame Schritte.

Meine Erfahrung mit diesem Thema ist, dass es gar nicht so leicht ist, Menschen aus der Gemeinde, die keinen technischen Hintergrund haben, die Notwendigkeit bestimmter Ausstattungen zu erklären. Eine Methode, die mir geholfen hat, war, das große Bild zu zeigen. Also nicht zu sagen, wie das alles technisch funktioniert, sondern die Wirkung zu erklären. Zum Beispiel die Notwendigkeit von Atmo-Mikrofonen für den Livestream durch die Wirkung zu erklären: Dass sich die Leute zu Hause mehr als Teil des Geschehens fühlen und das Erlebnis besser vermittelt wird.

Spezifische Anforderungen und ihre Implikationen

Audio-Anforderungen

Auch in einer Videoregie gibt es Anforderungen an das Audio. Wie kommt das Audiosignal zum Videomischer, muss das Signal noch verteilt werden, wie wird der Pegel überwacht? Wie sollen die Menschen im Regieraum den Liveton hören? Gibt es Monitore oder läuft alles über Kopfhörer?

Macht euch auf jeden Fall auch Gedanken darüber, woher der Livestreamton kommen wird. Kommt er aus dem selben Mischpult, welches auch für den Saal mischt, oder wollt ihr Livesound und Streamsound voneinander trennen und einen extra Raum für den Livestreammix schaffen? Falls die Räumlichkeiten vorhanden sind kann ich wärmsten empfehlen, einen extra Raum oder Ähnliches für den Livestreamsound zu haben, da in einer Regie viel kommuniziert werden kann, wie zum Beispiel das callen der Kameras oder andere Absprachen.

Kommunikation

Irgendwie müssen die Gewerke miteinander kommunizieren und gerade in einem extra Raum bekommt man ohne vernünftige Kommunikationswege wenig bis gar nichts mit. Außerdem muss mit den Kameraleuten gesprochen werden. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Intercom-System GreenGo gemacht. Aber es gibt genug andere Anbieter oder auch Selbstbaulösungen. Wichtig ist nur, dass ihr euch vorher Gedanken darüber macht, wer muss mit wem sprechen können und wie viele verschiedenen Sprechkanäle muss es geben.

Video-Anforderungen – Signale

Hier finde ich es wichtig, sich zu überlegen, welches Signal von wo kommt und wohin muss. Zeichnet das Ganze mal auf, mit jeder Signalquelle und jedem Ziel. Schreibt auch direkt die Art des Signals dazu. Ist das ein FullHD Signal oder ein 4K Signal? Wenn ihr schon wisst, welche Framerates zu dem Signal gehören, schreibt die auch gerne mit auf. Vergesst auch nicht, die Entfernung zu notieren. Dafür können auch Programme wie Microsoft Visio oder Draw.io nutzen. Ich persönlich kann auch das Programm yEd empfehlen. Es ist kostenlos und ermöglicht das Zeichnen von Flowcharts und Signalplänen. Wenn ihr diesen Plan erstellt habt, könnt ihr den Signalen folgen und schauen, wie das Signal verarbeitet werden muss. Kommt das Signal in einen Bildmischer, der die verschiedenen Signale zu einem Programm-Feed (PGM) mischt, oder muss das Signal über einen Monitor oder Beamer wiedergegeben werden? Welche Anschlüsse hat das Gerät und kommt mein Kabel auch mit diesem Anschluss an? Falls nicht, wird ein Wandler benötigt. So geht ihr jeden Signalweg durch und sammelt die Fragen. Überlegt euch auch, ob ihr eventuell Patchfelder oder eine Kreuzschiene oder ähnliches zur Distribution von Signalen benötigt. Macht euch Gedanken darüber, ob ihr noch zusätzliche Returnwege für die Kamerasteuerung oder ähnliches vorsehen solltet. Und lasst euch bei der Planung immer ein wenig Platz für eine mögliche Erweiterung. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es super nervig ist, wenn man eine Rackblende komplett fertig bestückt hat und am Ende fehlt für ein Event ein Platz am Patchpanel. Am Ende gibt es nicht die eine Lösung, da die Geräte sehr unterschiedlich sein können, abhängig von verschiedenen Faktoren.

Bedienbarkeit

Welche Art von Videomischpulten und Steuerungssoftware braucht ihr? Überlegt, welche Funktionen ihr benötigt und wie einfach die Bedienung sein soll. Eine gute Steuerung erleichtert die Arbeit und sorgt für reibungslose Abläufe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Videosignale zu verarbeiten, von reinen Softwarelösungen wie OBS oder V-Mix bis zu Videomischpulten. Die Auswahl hängt von Faktoren wie Bedienbarkeit, Anzahl der Videoinputs und -outputs, Mischebenen und weiteren Funktionen ab.

Bildschirme

Wie viele Bildschirme brauche ich denn eigentlich? Auf jeden Fall wird ein Multiview benötigt. Das ist ein Bildschirm, auf dem die verschiedenen Signale (Kamera, PC, Liedtexte etc.) angezeigt werden. Dadurch kann man immer sehen, welches Signal gerade ankommt, welches in der Preview ist und was über den PGM-Feed gesendet wird. Wenn viele Signale und Ausspielwege überwacht werden sollen, wird wahrscheinlich ein weiterer Multiview benötigt. Die Anzahl der Multiviews hängt davon ab, wie viel du gleichzeitig in welcher Größe sehen möchtest. Ein weiterer Bildschirm, der die Preview/PGM anzeigt, kann ebenfalls praktisch sein, um die Schärfe oder andere Details zu kontrollieren. Welche Bildschirme ihr dafür kauft, hängt von eurem Budget und Platzangebot ab. Natürlich ist Farbtreue eine gute Eigenschaft, aber auch hier gibt es kaum Grenzen nach oben.

Integration und Kompatibilität

Bestehende Technik und Infrastruktur

Schaut euch an, was ihr bereits habt und wie ihr es integrieren könnt. Manchmal ist es kosteneffizienter, vorhandene Technik zu nutzen und nur gezielt zu ergänzen, statt alles neu zu kaufen. Achtet darauf, dass ihr eine vernünftige Interanbindung in dem Regieraum habt, sodass euer Stream am Ende nicht an der Bandbreite scheitert. Außerdem empfiehlt es sich, eine vernünftige Kühlung der Geräte mit zu berücksichtigen oder wenigsten die Lüfter der Geräte nicht zubaut, um den benötigten Airflow sicherzustellen.

Zukunftssicherheit

Wählt Technik, die flexibel und erweiterbar ist, um auch in Zukunft gerüstet zu sein. Denkt daran, dass eure Anforderungen sich mit der Zeit ändern können und ihr darauf vorbereitet sein solltet.

Budget und Ressourcenplanung

Verfügbares Budget & Kosten-Nutzen-Abwägung

Ermittelt euer verfügbares Budget und plant realistisch. Große Investitionen sollten gut überlegt sein. Denkt daran, dass manchmal kleine Verbesserungen einen großen Unterschied machen können. Überlegt, welche Investitionen sich langfristig lohnen und wo ihr vielleicht sparen könnt. Eine gute Kosten-Nutzen-Abwägung hilft, das Beste aus eurem Budget herauszuholen.

Unterstützung von Anderen

Wendet euch an Menschen, die sich in dem Thema gut auskennen und das Ganze schon ein paar Mal gemacht haben. Eine gute Beratung kann viele Ressourcen sparen.

Fazit

Eine sorgfältige Planung der Technik ist entscheidend für einen gut ausgestatteten Regieraum. Erarbeitet auf jeden Fall eine Vision für eure Technik, damit ihr zukunftsorientiert investieren könnt. Stellt die richtigen Fragen, um eure Anforderungen zu ermitteln und die passende Technik auszuwählen. Lasst euch nicht entmutigen, wenn nicht alles sofort perfekt läuft – es ist ein Prozess, in den man mit der Zeit reinwächst!

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