Welches Bühnenelement passt zu mir?

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Du möchtest neue Bühnenelemente kaufen und nun stehst du vor der großen Frage welcher Hersteller es werden soll? Oh Schreck, der Hersteller hat auch noch verschiedene Varianten im Angebot, welche nun?

Die selbe große Frage habe ich mir vor einigen Wochen auch gestellt und die Community befragt – auf sie ist einfach immer Verlass. Die gesammelten Empfehlungen und Erkenntnisse meiner Recherche und Erfahrung möchte ich hier für dich zusammenfassen.

Den Anwendungsbereich abstecken

Wie nahezu immer gibt es keine one-size-fits-all Lösung. Deshalb ist es ein wichtiger Start diese Fragen einmal für dich zu beantworten:

  • Muss die Bühne oft auf und ab gebaut werden?
  • Existieren bereits Bühnenelemente im Bestand?
    (Falls du diese Frage mit ja beantworten kannst und du mit ihnen zufrieden bist, darfst du an dieser Stelle aufhören zu lesen und shoppen gehen.)
  • Müssen Geländer oder Absturzsicherungen angebracht werden können?
  • Soll die Bühne gelegentlich mit zugemieteten Elementen erweitert werden können?
  • Wird die Bühne Indoor oder Outdoor verwendet?
  • Müssen Spezialteile mit besonderen Formen angefertigt werden?

Eine kleine Einführung

Die Größe

Bühnenpodeste gibt es in verschiedenen Größen und Abmessungen, um den unterschiedlichen Anforderungen und Einsatzbereichen gerecht zu werden. Der absolute Klassiker sind 2 x 1 Meter sowie 1 x 1 Meter Podeste, die sich aufgrund ihrer Modularität und einfachen Handhabung großer Beliebtheit erfreuen. Es gibt jedoch auch Podeste in anderen Abmessungen wie 1,22 x 2,44 Meter (4 x 8 Fuß), die häufig bei größeren Bühnenaufbauten zum Einsatz kommen.
Daneben werden oft auch Größen wie 2 x 0,3m oder 2 x 0,5m verkauft ohne das es zu einer Sonderanfertigung kommt. Aber bereits hier kommt es zu Unterschieden zwischen verschiedenen Herstellern. Nicht alle bieten alle Maße an.

Neben den Standardgrößen bieten viele Hersteller auch maßgeschneiderte Lösungen an, die speziell auf die Bedürfnisse einer Veranstaltung oder eines Veranstaltungsortes zugeschnitten sind.

Der Belag

Das sind die wichtigsten und verbreitesten Beläge mit ihren Vor-und Nachteilen.

Tischlerplatte:

  • Material: Mehrschichtig verleimtes Holz.
  • Vorteile: Sehr stabil, gute Tragfähigkeit, leicht zu bearbeiten.
  • Nachteile: Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, kann sich bei Nässe verziehen.
  • Outdoor-Fähigkeit: Eher ungeeignet, da nicht witterungsbeständig. Für den Außenbereich ist eine zusätzliche Versiegelung oder Schutz erforderlich.

Siebdruckplatte:

  • Material: Multiplexplatte mit harzgetränktem Siebdruckbeschichtung.
  • Vorteile: Hohe Stabilität, wasserabweisend, rutschfest.
  • Nachteile: Kann bei intensiver Nutzung Kratzer bekommen, schwerer als andere Beläge.
  • Outdoor-Fähigkeit: Gut geeignet für den Außenbereich, da witterungsbeständig und robust.

Parkett:

  • Material: Echtholz, meist Hartholzarten wie Eiche oder Buche.
  • Vorteile: Ästhetisch ansprechend, langlebig, angenehm zu begehen.
  • Nachteile: Pflegeintensiv, empfindlich gegen Feuchtigkeit und Kratzer.
  • Outdoor-Fähigkeit: Nicht geeignet, da Holz Feuchtigkeit aufnimmt und sich verziehen kann. Nur für den Innenbereich.

Linoleum:

  • Material: Natürliche Rohstoffe wie Leinöl, Kork- oder Holzmehl.
  • Vorteile: Umweltfreundlich, rutschfest, pflegeleicht.
  • Nachteile: Kann empfindlich gegenüber mechanischen Beschädigungen sein.
  • Outdoor-Fähigkeit: Nicht ideal, da es bei Feuchtigkeit und extremen Temperaturen Schaden nehmen kann. Besser für den Innenbereich geeignet.

Laminat:

  • Material: Mehrschichtiger Aufbau mit einer Dekorschicht auf Kunstharzbasis.
  • Vorteile: Ästhetisch ansprechend, pflegeleicht, kratzfest.
  • Nachteile: Weniger widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit, kann bei Beschädigung schwer zu reparieren sein.
  • Outdoor-Fähigkeit: Nicht geeignet für den Außenbereich, da Feuchtigkeit und Temperaturwechsel das Material schädigen können.

Nadelfilz:

  • Material: Dicht vernadelter Filz aus synthetischen Fasern.
  • Vorteile: Schallabsorbierend, rutschhemmend, komfortabel.
  • Nachteile: Kann schwer zu reinigen sein, weniger langlebig bei intensiver Nutzung.
  • Outdoor-Fähigkeit: Bedingt geeignet. Muss vor Nässe geschützt werden, da Feuchtigkeit den Belag beschädigen kann.

Es gibt also für jeden Anwendungsbereich den passenden Belag und auch noch viele mehr. Am weitesten verbreitet als Multi-Purpose Bühnenpodest ist der Belag mit Siebdruckplatte, da dieser auch Outdoorfähig ist. Für einen Indoor Gottesdienstraum können aber die anderen Oberflächen meist mit ihrer Optik glänzen und es kann Sinn ergeben hier auf etwas andere zu setzen.

Der Umlauf

Neben einem glatten Abschluss, verbauen viele Hersteller auch einen Multifunktionskanal umlaufend um das Bühnenpodest. Dieser kann für Steckverbinder, zum anbringen von Geländern oder anderes Zubehör genutzt werden. Ist dieser Kanal nicht vorhanden gibt es manchmal andere Möglichkeiten dieses Zubehör anzubringen. Trotzdem stellt er in vielen Fällen ein praktisches Feature dar. Auch findet man hier oft eine Einkerbung um Klett-Band bündig aufzukleben an das wiederum Molton oder Gaze angebracht werden kann für einen sauberen Bühnenabschluss.


Das passende System finden

Nicht jede Bühne wird auf die gleiche Art zusammengebaut und bietet die gleichen Features. Hier sind die Unterschiede wirklich groß. Hier findest du zunächst eine kleine Übersicht bevor wir auf 2 System näher eingehen.

  • Stecksysteme: In jedes Bühnenelement werden 4 Füße gesteckt und per Hand verschraubt. Sie sind einfach zu bauen und benötigen kein zusätzliches Werkzeug. Der Klassiker unter den Bühnenpodesten.
  • Faltsysteme: Die Füße sind im Element integriert und können herausgefaltet oder geklappt werden. Das ermöglich schnell einen Aufbau und Wechsel zwischen verschiedenen Höhen aber führt auch zu sehr schweren Podesten, da eine ganze Mechanik integriert ist. Meist sind auch Sondergrößen hier nur schwer zu realisieren.
  • Hydraulische oder motorisierte Bühnen: Diese sind fest verbaut und können sich in der Höhe verfahren lassen um schnell verschiedene Bühnensettings zu bauen. Dies findet man z.B. ganz oft in Theatern oder großen Konzertsälen.
  • Truss-Systeme: Aluminiumträger bilden das Grundgerüst, auf dem die Bühnenpodeste montiert werden. Dies findet bei sehr großen Bühnen (z.B. Festivals) ihren Einsatz, da hohe Höhen und Tragfähigkeiten erreicht werden können.
  • Baukastensysteme: Hier stellen die Bühnenpodeste zueinander bereits beim Aufbau in Beziehung zueinander und man hängt z.B. durch ein Nut-Feder-System beim Aufbau die Bühnenpodeste ineinander ein. Das braucht eine fachkundige Person um den sicheren Aufbau zu gewährleisten, glänzt durch Leichtigkeit und Geschwindigkeit um Auf- und Abbau.

Für die allermeisten Kirchen sind Steck- oder Baukastensystem die relevantesten Systeme. Deshalb werde ich diese im nachfolgenden genauer beleuchten und auch Empfehlungen der Community vorstellen.

Stecksysteme im Detail

Für den Aufbau steckt man 4 passende Füße in jede Ecke, schraubt sie fest und verbindet die Bühnenpodeste mit Verbindern. Dabei gibt es zwischen verschiedenen Herstellern und Ausführungen diese typischen wesentlichen Unterschiede.

Fußdicke / Durchmesser

Man findet vor allem im Querschnitt quadratische 45, 50 und 60mm Füße. Achtung, diese sind meist nicht kompatibel! Hast du bereits 60mm Füße im Lager, passen diese in der Regel nicht in ein Bühnenpodest für 50mm Füße. Andersherum klappt es schon eher, aber du solltest prüfen ob das auch zulässig ist. Es gibt aber einige Ausführungen die für variable Größen von 40-60mm zu kaufen sind. In der Regel ist es aber sinnvoll sich auf ein System festzulegen und kein großes “Mix-and Match” zu betreiben. Auch runde Füße kann man kaufen wenn man das möchte, würde ich aber aus optischen Gründen von abraten.

Verbinder

Damit aus deinen Podesten eine Bühne wird, musst du die Podeste miteinander verbinden. Da gibt es, wer hätte es gedacht, auch von jedem Hersteller wieder eine baulich eigene Lösung. Aber diese fallen meist in eine der folgenden Kategorien:

  • Fußverbinder: Hier wird eine Klammer um zwei benachbarte Beine gelegt und verschraubt. Kennt fast jeder, aber ist eine der schlechtesten Arten eine Bühne zu bauen. Ein Fußverbinder ist zwar in der Montage werkzeugfrei, aber relativ zeitaufwendig zu verschrauben und die Kraftübertragung geschieht nicht direkt am Bühnenpodest selber, sondern erst am Fuß weshalb es hier die Steifigkeit der Bühne nicht optimal ist. Sie haben trotzdem ihren Einsatzort und sind meistens auch die einzige Wahl um zwei verschiedene System zu verbinden.
  • Verbindungsklammer: Diese Klammern werden von unten an zwei benachbarte Bühnenpodeste angebracht und verschrauben schnell und einfach diese zwei Podeste direkt am Rahmen miteinander. Sie zeichnen sich durch schnelle, werkzeugfreie Montagen und hohe Steifigkeit aus und sind in der Regel die erste Wahl.
  • Nutenkanalverbinder: Möchte oder kann man nicht unter die Bühne klettern zum verschrauben der Elemente kann man bei vielen Systemen auch einen Nutenkanalverbinder verwenden. Dies setzt voraus, dass ein solcher Kanal vorhanden ist, aber ermöglicht ein elegantes verbinden. Während dem Aufbau müssen direkt Verbinder eingebracht werden. Diese werden in der Regel mit einem Inbus verschraubt.

Mit einer Kombination von beispielsweise Nutenkanalverbinder und Verbindungsklammer können noch höhere Steifigkeiten erzielt werden.

Baukastensystem im Detail

Wird die Bühne sehr oft auf und abgebaut kann es sich für dich lohnen in ein Baukastensystem zu investieren. Diese zeichnen sich meist durch geringes Gewicht und einen sehr schnellen Auf- und Abbau auf. So wird beispielweise beim Hersteller Nivtec direkt beim Aufbau die Verbindung durch ein Nut-und Federsystem hergestellt. Dadurch ist es nicht mehr notwendig die meist zeitaufwendigen Verbinder anzubringen. Außerdem können auch eine Menge Bühnenfüße gespart werden, umso größer die Bühne umso mehr lohnt es sich. Denn nur für das allererste Podest werden 4 Füße benötigt, für die erste Reihe und die erste Spalte jeweils 2 und für alle anderen nur noch ein Fuß pro Podest! Durch das Einhängen wird die Kraft auf die vorhandenen Füße übertragen und somit der Fuß von mehreren Podesten genutzt.

Nachteilig ist meist der Preis und das es nicht so sehr volunteer-friendly ist, da man genau wissen muss wie man es korrekt zusammenbaut und viele so ein System noch nie benutzt haben. Auch sind Sonderteile nur bedingt möglich und größere Macken an der Feder können das ganze Podest unbrauchbar machen. Für ein eingespieltes Team und wenn schnelle Auf- und Abbauten wichtig sind, kann es für dich eine wirklich sinnvolle Option sein.


Community Tipps

In diesem Abschnitt werden die Tipps aus der Community zusammengefasst. Es handelt sich dabei um subjektive Meinungen und Erfahrungsberichte. Beachte dies bitte bei einem Kauf.

Du musst deine Bühne oft erweitern mit zugemieteten Material? Dann rufe direkt deinen Verleiher deines Vertrauens und frage welches System er nutzt. Meistens wirst du hier Bütec oder Mott finden. Dann lohnt es sich das selbe System anzuschaffen um problemlos die Systeme zu verbinden.

Dir ist ein schneller Auf- und Abbau wichtig? Dann ist Nivtec eine Empfehlung die von einigen aus der Community sehr gefeiert wird.

Du hast die freie Wahl und sie sollen flexibel genutzt werden? Dann ist meist der Preis noch von entscheidender Rolle. Tipp des Autors in diesem Fall ist Bullstage.

Du möchtest besondere Beläge und ein Hersteller der dir wirklich jede Sonderanfertigung bauen kann? Dann ist auch hier wieder Bütec und Mott eine Empfehlung.

Fazit

Wie du vielleicht bereits gemerkt hast, kann man sich über das Thema wirklich den Kopf zerbrechen. Man will eigentlich nur schnell ein Bühnenpodest kaufen und muss sich über so viele Systeme und Möglichkeiten einen Überblick verschaffen. Ich hoffe, dass dieser Blog-Post genau hier helfen konnte und du jetzt besser weißt, auf was du bei einem Kauf achten musst.

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