Freie Gemeinden: Thema “Veränderung” im technischen Bereich

  • Freie Gemeinden: Thema “Veränderung” im technischen Bereich

    Veröffentlicht von tibor auf 15. September 2025 um 22:13

    Hallo zusammen,

    Ich habe dieses Jahr an einem FeG-Leiterschaftstraining teilgenommen, bei dem wir uns über ein halbes Jahr alle zwei Wochen für Inputs, Austausch und Reflektion getroffen haben.

    Ein Thema war “Veränderung” bzw. “Change Management”. In dem Zuge kam mir die Idee, von anderen zu lernen und einen Austausch darüber zu starten, welche (positiven) Veränderungen wir im technischen Bereich in unseren Gemeinden erlebt oder vielleicht sogar selbst angestoßen haben.

    Ich starte gerne mit einer kleinen Veränderung, die bei uns gut funktioniert und die Qualität der Tontechnik im allgemeinen bei uns verbessert hat: Wir haben für den Gottesdienstsaal und für den Livestream unterschiedliche Mixe, weil man im Saal oft akustische Instrumente hat, die im Livestream dann anders abgemischt werden. Da man nicht beides perfekt machen kann, lag der Fokus meist auf dem Saalmix, was im Livestream dann auch besonders bemerkbar war. Die Lösung ist jetzt, dass wir weiterhin nur einen Techniker einplanen, aber einfach die Nebenabrede haben, dass Tontechniker, die Sonntags in den Gottesdienst kommen und gerade keinen Dienst haben, sich einfach ohne weitere Vorbereitung an den Live-Mix setzen können, und dem “Haupttechniker” diese Aufgabe abnehmen. Damit haben wir unverbindlich, “organisch” und ohne viel Mehraufwand oft zwei Techniker. Das funktioniert zwar nicht jeden Sonntag, aber dennoch erstaunlich oft und es hat einen merklichen Einfluss auf die Qualität den Livestreams.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen über geglückte Veränderungen in euren Diensten hier mit mir / uns teilen würdet.

    • Dieses Thema wurde vor 1 Jahr, 1 Monat von  tibor geändert.
    medientechniker beantwortet vor 1 Jahr 3 Mitglieder · 2 Antworten
  • 2 Antworten
  • T3CHNIKFR3AK

    Mitglied
    15. September 2025 um 22:54

    Hey

    Ich führe mein Team in der Technik nicht streng hierarchisch wie andere. So habe ich als Leiter Primär das Organisatorische zu erledigen, wie Budget oder die Planung. Das Team hat sich mittlerweile eingespielt und ist ein Selbstläufer geworden. Jedes Teammitglied trägt Verantwortung und bekommt diese auch von uns zugesprochen. Liegt auch sicherlich daran das wir wo immer möglich und sinnvoll auf Standardisierung setzen und unsere Techniker somit auch an vielen Positionen einsetzbar sind. Ich setze zudem sehr auf das Thema Mentoring und Förderung von den ganz Jungen. Während einige Bereiche über Mangel klagen konnte ich so über die letzten Jahre ein stabiles Team aufbauen. Nicht zu verachten ist auch die Altersdurchmischung. Vom Senior bis zum Schüler haben wir aus allen Altersschichten Vertretung. In einigen Bereichen führe ich die Technik wie in einem KMU, mit Standards und immer selben Abläufen. Dies hat zu Beginn zu der einen oder anderen Diskussion geführt, selten ist jemand mit einer Grundlegenden Änderung einverstanden und nimmt diese hin.

    Zusammengefasst führe ich nicht von oben herab sondern sehe mich mehr als Mitglied und Mentor im Team. Standards können dem Team Orientierung geben, müssen aber gut durchdacht sein. Verantwortung abgeben und die Teams befähigen ist ein weiterer Schlüssel.

    Grüsse

  • medientechniker

    Mitglied
    21. September 2025 um 22:24

    Ein (mindestens) partnerschaftliches Verhältnis kann man denke ich heutzutage voraussetzen, u.a. aus dem Grund, dass wir auf freiwillige bzw. ehrenamtliche Mitwirkende angewiesen sind und weder rechtlich noch menschlich eine Weisungsbefugnis wie im Arbeitsverhältnis haben. Wobei dies für den hauptamtlichen Pastor mitunter nochmal stärker gilt, sein Job hängt ein Stück weit daran, dass alle Mitwirkenden ihre Aufgaben gut und gerne machen und ihm wohlgesonnen sind.

    Natürlich gibt es als ehrenamtlicher Teamleiter oder Diakon o.ä. oft genug Diskussionspunkte, die man zur Not auch etwas nachdrücklicher besprechen kann als es sich die Hauptamtlichen manchmal trauen. Auch gibt es immer mal Auseinandersetzungen zu verschiedensten Themen, wodurch leider manchmal Mitarbeiter enttäuscht oder abgeschreckt werden, oder wodurch Leitende ausgelaugt werden und sich zurückziehen.

    Um diesen Situationen möglichst vorzubeugen, ist eine gewisse Hierarchie aus z.B. Ältesten / GL sowie Diakonenkreis schon auch sinnvoll, da sie Themen tiefer durchdringen, gemeinsam Entscheidungen fällen, und dafür auch das Mandat der Gemeinde haben. Zwar sollten diese Dinge möglichst transparent gemacht und erklärt werden, und nach Augenmaß auch Teams oder die ganze Gemeinde gefragt oder einbezogen werden, aber es muss auch mal belastbare Entscheidungen und einen Respekt vor den gewählten Leitern geben. Wenn es gelingt, dass dieser Respekt und das Gemeinwohl, und am Ende der Gemeinde- und Missionsauftrag als Ganzes für alle Beteiligten zentral und über persönlichen Befindlichkeiten steht, sollte ein konstruktives und erfreuliches Miteinander gelingen.

    Zur Technik: Bei uns gab es viele kleine und größere Änderungen, die die technische Qualität und die Arbeitsbedingungen immer weiter verbessert haben. Etwa die Verlegung des Mischpults von der Empore ins EG, der Verkauf des für Laien fast unbedienbaren A&H Pultes, die Abschaffung von Rednerpultmikros und Lavaliers (wegen viel Nachhall unbrauchbar), u.v.m. — technische Verbesserungen reizen zwar immer und sind auch schön (insb. wenn sie Probleme reduzieren), aber noch wichtiger ist, dass das verfügbare “Personal” die Systeme nicht nur bedienen kann, sondern sie auch versteht, und sich somit auch in Stress-Situationen zu helfen weiß, und unterm Strich den Dienst gerne macht.

    Vor einem Jahr haben wir das X32 in den Regelbetrieb genommen, und nutzen immer mehr seiner Features. Dabei bewegen wir uns aber schon scharf an der Grenze dessen, was vom Mitarbeiterstamm unserer 150-Mitglieder-Gemeinde beherrscht werden kann. Die Verleitung ist groß, zig Funktionen, Routings, Feintunings usw. in der Standard-Szene abzulegen, die dann sonntags vom Techniker einfach nur noch geladen wird, ohne dass der das Innenleben der Szene wirklich kennt. Zwar ist die Usability in der Hinsicht erheblich besser als bei dem alten Profi-A&H-Digitalpult, dennoch braucht es regelmäßige Schulung für die Ton-Arbeit allgemein und speziell für das X32. Hier muss man wirklich alle heutigen sowie potenziellen künftigen Mitwirkenden berücksichtigen, um nicht als einziger “Experte” jeden 2. Sonntag früh Anrufe mit Fragen oder Problemen des diensthabenden Technikers zu bekommen – also durchaus etwas Eigennutz dabei 😉

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