Wenn man sich selber ersetzbar macht

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Wenn man eine Sache als Leiter in seiner Kirche hört, dann ist es bestimmt der Satz: „Be a Hero maker. Mache dich ersetzbar.“ Ein einfacher Satz, der bedeutet, all dein hart erlerntes Wissen und alle Fehler, die du gemacht hast, weiterzugeben und andere zu befähigen.

Diese Gedanken waren für mich lange Zeit einfach zu verstehen. In meiner Kirche war ich ab einer gewissen Zeit quasi alleine im Soundteam und habe fast jeden Sonntag gemixt. Für mich war es absolut logisch, das Wissen weiterzugeben, damit ich auch mal Entlastung spüren kann. Irgendwann kommt der Moment, an dem du realisierst, dass du dich ersetzbar gemacht hast. Es funktioniert auch ohne dich. Natürlich nicht immer so, wie wenn du es machst, aber es ist trotzdem okay. Genau das, worauf du hinarbeiten wolltest. Doch trotz dieser Erleichterung war es für mich ein komisches Gefühl in dem Moment.

Der Prozess des Loslassens und der Erkenntnis, dass andere auch ohne dich zurechtkommen, ist ein bedeutender Schritt in der Leiterschaft und Teamarbeit. Es bedeutet, dass du ein Team aufgebaut hast, das unabhängig arbeiten kann. Darum geht es doch bei Leiterschaft: nicht darum, selbst erfolgreich zu sein, sondern andere erfolgreich zu machen und sie in dem, was sie tun, zu befähigen.

Nun fragt ihr euch vielleicht, warum ich euch das erzähle. Zunächst möchte ich euch noch eine andere Sache erzählen. Regelmäßig fahre ich auf Jugendcamps, wo ich Worship-Bands zusammenstelle und den Livemix vor Ort mache. Dafür nehme ich Freunde mit und Leute, die ich fördern will. Mein Ziel ist es, für alle da zu sein und ihnen zu ermöglichen, persönliche Schritte zu gehen – sei es im Glauben, im Worship oder auch in ihrer Persönlichkeit.

In diesen Bands fungiere ich als Bindeglied. Ich kenne natürlich jeden aus der Band, aber untereinander kennen sich einige noch nicht. Die Bandmitglieder lernen sich dann untereinander kennen, machen gemeinsam Worship und entwickeln Beziehungen. Soweit ist das auch genau richtig so! Nun passiert es häufiger, dass die Leute danach auch ohne mich miteinander Worship machen oder mit anderen Leuten aus der Band, die sie vorher nicht kannten, auf anderen Veranstaltungen in einem anderen Kontext Musik machen. Eigentlich genau das, was ich wollte. Mich ersetzbar gemacht und andere Leute ermutigt, Beziehungen zu bauen und ihre Talente und Begabungen auch woanders zu nutzen.

Und trotzdem kann ich aus persönlicher Sicht sagen, dass es nicht immer so leicht ist, das einfach so zu akzeptieren und sich von ganzem Herzen darüber zu freuen. In mir kamen regelmäßig die Gedanken: Warum bin ich nicht dabei? Ohne mich würden sie sich gar nicht kennen, etc. Manchmal kommen diese Gedanken immer noch. Aber ich möchte euch ganz kurz dazu ein paar Gedanken mitgeben und erzählen, wie ich damit umgehe.

Für mich war es ein Schlüssel zu erkennen, dass alles von Gott kommt und für ihn ist. In Römer 11:36 steht: „Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.“ Also alle meine Gaben und Talente kommen nicht von mir, sondern sind ein Geschenk Gottes. Und diese sollen Gott dienen und ihn groß machen. Also warum nicht großzügig mit den eigenen Ressourcen sein? Denn eigentlich sind es gar nicht deine Ressourcen. Warum sollte ich mich nicht darüber freuen, wenn andere zusammen Gott anbeten und gemeinsam auf anderen Jugendcamps Worshipbands starten? Warum sich nicht darüber freuen, dass es jetzt mehr als dich selbst gibt, die im Soundteam sind und das Ganze auch ohne dich funktioniert?

Mir ist wichtig zu sagen, dass es eine Reise ist und ich finde es immer noch ein herausforderndes Thema. Aber wenn ich heute einen Gedankenanstoß geben kann, dann den, dass jeder versteht, dass alles durch Gott kommt und alles ihm dienen soll. Wenn man mit diesem Mindset Fragen beantwortet, auf Nachrichten reagiert oder andere Dinge sieht, wo man sich selbst ersetzbar gemacht hat und es ohne einen funktioniert, kann sich deine Perspektive ändern und du schaust wieder auf Gott und richtest dich nach ihm aus. Und ist es nicht das, was wir wollen? Gott ehren und ihn groß machen?

Deshalb meine Ermutigung: Wenn du merkst, dass du ersetzbar wirst und das macht etwas mit dir und dir kommen solche Gedanken, dann möchte ich dir sagen, anderen kommen diese Gedanken auch. Aber lasst uns auf Jesus konzentrieren und darauf, dass seine Botschaft möglichst viele Menschen erreicht. Und dafür machen wir uns ersetzbar und werden Multiplikatoren.

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